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15. Sonntag im Jahreskreis B

Veröffentlicht am 11.07.2015

Ein Kontrastprogramm zu den Jüngern bietet die Kirche von heute. Damals zwei Jünger miteinander, bescheiden ausgerüstet, geradezu armselig, heute riesige bürokratische Apparate im Vatikan und in den bischöflichen Ordinariaten. Damals Wanderprediger zu Fuß, heute ein wohlbestallter Klerus in Autos von zuweilen ziemlich gehobener Klasse. Für diese Veränderungen gibt es sicher gute Gründe, die mit veränderten Zeiten zu tun haben. Aber kann uns ein solcher Text, wie wir ihn eben im Evangelium gehört haben, heute noch etwas sagen? Ist er nicht überhaupt nur für kirchliche Amtsträger geschrieben, um ihnen einen kritischen Spiegel vorzuhalten?

Natürlich ist es leicht, auf die Pfarrer und Bischöfe zu zeigen und ihnen ihren bürgerlichen Lebensstil vorzuhalten. Es ist ja immer leichter, die Schattenseiten bei anderen zu sehen. Und es wäre tatsächlich viel zu einfach, sich jetzt auf die bequeme Position zurückzuziehen, die besagt, mit den normalen Christinnen und Christen habe diese Erzählung nichts zu tun. Wir sitzen im selben Boot. Es geht um unseren Lebensstil als Christen. Es geht um den Auftrag, missionarisch Kirche zu sein. Es geht um die Art und Weise, wie wir das Evangelium glaubwürdig leben.

Vielleicht schütteln Sie jetzt innerlich den Kopf und fragen sich: Was soll das denn mit den Dämonenaustreibungen? Welche Dämonen sollen wir denn bekämpfen? Kann man denn heute noch redlich und allen Ernstes von Dämonen sprechen?

Eine berechtigte Frage. Aber werden Menschen nicht auch heute sozusagen von Dämonen gehetzt, von den Dämonen unserer Angst etwa? Anderes, das uns unfrei macht, heißt Abhängigkeit von Beitz, von Ansehen, von Erfolg und von Macht. Wir nennen die Kräfte, die uns unfrei machen, heute nicht mehr Dämonen. Wir personalisieren sie nicht mehr, sondern suchen ihre Quelle in uns selbst. Damit wird schon klarer, welchen Auftrag wir haben. Jesus will, dass wir seine heilende Botschaft vermitteln. Menschen sollen wieder heil werden dürfen.

Dazu müssen wir keinen Exorzismus sprechen. Wir brauchen auch keine exotischen Riten in dunklen Hinterzimmern. Die heilende Segenskraft liegt in der Botschaft, die wir bringen dürfen und in der Art und Weise, wie wir Menschen begegnen. Wer sich einlassen kann auf Gottes bedingungslose Liebe, der braucht sich nicht mehr selbst aufzublasen, der muss nicht seinen Wert und sein Lebensrecht ständig nachweisen, der muss nicht Bestätigung in Ansehen und Macht suchen. Für Menschen, die erfüllt sind von der Freude über Gottes bedingungslose Liebe, verlieren Reichtum und Luxus an Bedeutung. Welche Steigerung des Lebensgefühls könnten sie auch bringen?

Das ist die frohe Botschaft, die uns anvertraut ist. Sie wird glaubwürdig durch unsere Lebensweise. Wir tragen keine Amulette als Schutz gegen Böses, wir rüsten uns mit dem Vertrauen in Gott. Das ist für uns das wirksame Mittel gegen unsere Ängste. Wir brauchen nicht angstvoll auf Horoskope zu schielen, wir finden Halt unter allen Abgründen in Gott. Das ist dann die Frage an uns: Vertrauen wir wirklich Gott? Oder bauen wir nicht mehr auf die Sicherungen, die wir meinen schaffen zu müssen, vor allem möglichst viel an Besitz?

Glaubwürdig wird unsere Botschaft nicht zuletzt durch die Offenheit und liebevolle Fürsorge, die wir anderen Menschen entgegenbringen. Menschen, die sich selbst klein und schlecht vorkommen, können heil werden, wenn sie liebevolle Annahme erfahren. Menschen, die von anderen klein gemacht und gedemütigt werden, können aufatmen, wenn sie Wertschätzung erfahren. Menschen, die schuldig geworden sind, die versagt haben und gescheitert sind, können neues Selbstwertgefühl entwickeln, wenn sie Vergebung und Barmherzigkeit erleben. Wir selbst sind unsere Botschaft, indem wir Menschen ohne Urteil annehmen, wie sie sind, indem wir Lasten mittragen, indem wir versuchen, Not zu wenden und solidarische Gemeinschaft zu stiften. Auf diesem Weg werden wir zu echten Exorzisten, die böse Geister im Miteinander vertreiben.

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Taufe des Herrn

Veröffentlicht am 09.01.2015

Umsonst kriegen wir nichts auf den Märkten der Welt. Auch der „billige Jakob“ und andere Marktschreier versprechen nur Schnäppchen, extrem Billiges, aber umsonst ist es nicht. Mobilfunk-Anbieter verweisen zwar gern auf Gratis-Angebote, aber hinter dem Gratis-Handy stehen die Kosten für den Vertrag. Umsonst ist nicht einmal der Tod, heißt es, denn der kostet das Leben.

Da lässt es schon aufhorchen, wenn der Prophet geradezu wie ein Marktschreier daherkommt. Er verramscht nicht nur seine Ware, er verschleudert sie umsonst. Zum einen lieben viele Menschen Schnäppchen, sie werden allerdings auch misstrauisch, wenn gleich gar nichts verlangt wird. Was kann das schon wert sein? Kann das denn wahr sein, dass Jerusalem sich in ein Schlaraffenland verwandelt?

Um das materielle Sorglos-Rundum-Paket geht es ja auch nicht. Die Bilder von Wein und Milch, von fetten Delikatessen verweisen auf eine Fülle des Lebens die sich nicht im materiellen Wohlergehen erschöpft. Das macht der Zusammenhang von Hören auf Gott und Aufleben der Seele deutlich. Im vertrauten Umgang zwischen Gott und den Menschen geschieht etwas, das mit überströmender Fülle beschrieben werden muss. Es betrifft den ganzen Menschen. Die Seele wird satt an einer Liebe, die keine Grenzen kennt, Wohlergehen und Frieden breiten sich aus, wo Menschen im Hören auf Gott ihr Zusammenleben ordnen. Menschen machen sich nicht mehr gegenseitig das Leben schwer. Starke leben nicht mehr auf Kosten der Schwachen und Reiche beginnen mit den Armen zu teilen. Menschen bleiben nicht einsam und Kranke erfahren Gemeinschaft.

Der Ausgangspunkt für einen Weg, auf dem die Welt zu heilen beginnt, ist die verschwenderische Großzügigkeit Gottes. Er verschenkt seine Liebe, ohne auch nur das Geringste dafür zu verlangen, ohne auf Leistung und Verdienst zu schauen. Spuren seiner Großzügigkeit finden wir in den unbezahlbaren Kostbarkeiten des Lebens. Was wirklich wichtig ist, lässt sich nicht kaufen, nicht die Liebe und die Freundschaft, nicht die Treue und das Vertrauen, nicht die Schönheit der Natur und das Leben selbst. Leben wir nicht inmitten eines geschenkten Reichtums?

Vor diesem Hintergrund können wir die Frage des Propheten verstehen: Warum gebt ihr Geld aus für so viele Dinge, die euch doch nicht satt machen? Warum verschleudert ihr die wahren Reichtümer des Lebens für Besitz von Dingen, für Karriere und Erfolg? Müssten wir nicht die Akzente in unserem Leben anders setzen, mehr Gemeinschaft und Solidarität, aber weniger Gewinnstreben; mehr Begegnung von Mensch zu Mensch, aber weniger Luxus; mehr Gespräch mit Gott, aber weniger Internet; mehr Verweilen und Nachdenken, aber weniger Tempo? Was macht den Wert des Lebens letztlich aus? Schauen Sie doch zurück auf ihren Lebensweg! Wie viel ist Ihnen da geschenkt worden: die Überwindung von Krisen, Genesung, das Ja von Menschen, Vergebung und Versöhnung, Neubeginn!

Es ist gut, von Zeit zu Zeit darüber nachzudenken, wie teuer alles geworden ist, vielleicht auch, wie teuer wir Unnötiges bezahlen, um dann zu entdecken, wie wunderbar es ist, das Wichtigste im Leben einfach umsonst zu erhalten. Wir hecheln mit hängender Zunge dem Glück hinterher, indem wir Geld anhäufen und Dinge konsumieren, indem wir versuchen, andere auszustechen und in den Schatten zu stellen. Dabei stehen wir inmitten einer überströmenden Fülle. Wir sitzen an der Quelle. Wir bräuchten nur zu trinken. „Kommt alle zu mir und eure Seele wird aufleben!“, spricht unser Gott.

 

 

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23. Sonntag im Jahreskreis

Veröffentlicht am 05.09.2014

Röm 13, 8-10

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St. Vitus Patrozinium

Veröffentlicht am 12.06.2014
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Dreifaltigkeitssonntag

Veröffentlicht am 12.06.2014

Dreifaltigkeitssonntag

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Pfingsten

Veröffentlicht am 06.06.2014

Aus einer Kritik: „Der Redner offenbarte eine beachtliche Unkenntnis des Sachverhalts.“ Da offenbart sich nicht Gott, da offenbart ein Mensch etwas von sich. So hören wir auch noch manchmal im Alltag: „Mein Freund hat sich mir im Vertrauen offenbart.“ Er hat etwas von sich preisgegeben, das nicht einfach offen zutage liegt.

Im kirchlichen Rahmen denken wir bei dem Stichwort „offenbaren“ an Gott, der etwas von sich zeigt oder mitteilt. Der Ort dieses Geschehens ist für uns Christen vor allem Jesus, der Mensch, der Gott in der Welt sichtbar und spürbar macht, der ihm eine Sprache gibt. Aber es ist nicht so, dass sich Gott nur auf Jesus beschränkt. Pfingsten bedeutet, dass der Geist in vielen wirken möchte. Es ist an uns weiterzutragen, was in Jesus begonnen hat, die rückhaltlose Vergebung zu leben, einander anzunehmen, zu tragen und zu ertragen, einander in zuvorkommender Liebe zu begegnen, die Einsamkeit aufzubrechen, für die Kranken da zu sein, die Hoffnung auf das Reich Gottes wach zu halten.

In Jesus offenbart Gott eine Leidenschaft für die Menschen. Wie sollte er denn diese Leidenschaft heute ausdrücken, wenn nicht durch uns? Wie sollte er seine Liebe sichtbar machen, wenn nicht durch Menschen, die eben nicht nur um die eigenen Interessen kreisen, denen Hab und Gut, Ansehen und Erfolg nicht alles ist, die einen größeren Reichtum kennen als das, was wir uns leisten können? Vielleicht kennen Sie das Gefühl, ganz ergriffen und überwältigt zu sein, vielleicht kennen Sie auch die Erfahrung, ganz erfüllt zu sein von Liebe, vielleicht war ja Ihre Hochzeit ein solcher Moment. So ähnlich ist wohl Pfingsten: der Augenblick, an dem ein Mensch erkennt, dass Gott seine Zukunft ist; der Moment, an dem ein Menschen erlebt, wie die Liebe in ihm überströmt; die Erfahrung einer großen Weite und Freiheit.

Ich bin fasziniert von den Energien, die Menschen an den Tag legen, um Sommerfeste zu organisieren oder Sportereignisse. Das ist toll. Aber im Grunde genommen, geht es uns doch um etwas unvergleichlich Kostbareres, um das wahre Fest des Lebens, das uns Gott bereitet, das wir in seinem Geist einander bereiten können. Wir sind der Ort, an dem Gott etwas von sich zu erkennen gibt. Wir sind der Ort, an dem seine Liebe lebt. Wir sind der Ort, an dem etwas vom Himmel aufblitzt.

Natürlich können wir die Erfahrung der Jünger von damals nicht an einem bestimmten Tag im Kirchenjahr sozusagen auf Knopfdruck wiederholen. Das Fest Pfingsten erinnert an die Initialzündung damals, ohne die es den Weg der christlichen Botschaft durch die Geschichte gar nicht gäbe. Das Fest erinnert uns aber auch daran, dass es das Wehen des Geistes auch in unserem Leben gab und gibt. Vielleicht war es nie das Brausen eines Sturmes, aber mindestens ein frisches Lüftchen muss es gewesen sein, sonst wären wir jetzt nicht hier.

Paulus sieht die Spuren dieses Wehens in den Menschen, die Gemeinde Jesu Christi bilden. Er sieht sie im Glaubenszeugnis und im Leben der Liebe. Er sieht sie in den Menschen, die bereit sind, ihre Gaben und Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. In ihnen sieht er eine echte Offenbarung Gottes. Sie hat allerdings den Sinn, dass „sie anderen nützt.“ Ansonsten offenbaren Christen vielleicht noch ihre eigene Müdigkeit und Gleichgültigkeit, aber nicht den Gott, der lebendig macht und in Schwung bringt.

Pfingsten heißt: Wir sind die Buchstaben, mit denen sich die Botschaft des Evangeliums buchstabiert; wir sind die Töne, die sich zu einer Melodie der Liebe finden; wir sind die Geschöpfe, in denen etwas von Gottes Geist Fleisch und Blut wird.

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Achter Sonntag im Jahreskreis A

Veröffentlicht am 27.02.2014

Am Ende des Zweiten Weltkriegs trat für Millionen von Menschen eine weitere Katastrophe ein, als ob der Krieg mit seinen Opfern nicht schon genug an Härten gehabt hätte. Es war die Vertreibung, der Verlust der Heimat. Es ist eine ähnliche Katastrophe, wie sie den Israeliten widerfuhr, als das Königreich Juda von den Babyloniern überrollt und die Bewohner in die Verbannung verschleppt wurden. In dieser Situation, die geprägt ist von Trauer und Heimweh, von bohrenden Fragen nach Schuld und Versagen, nach Gottes Gegenwart, findet ein Prophet starke Bilder für Gott. Er vergleicht seine Sorge um die Menschen mit der zärtlichen Liebe einer Mutter für ihre Kinder, ja Er überbietet sie sogar noch.

Helfen mir die neuen, starken Bilder für Gott? Was da gesagt wird, klingt zumindest gut: Gott wendet sich voll mütterlicher Sorge den Menschen zu. Für die Israeliten im Exil verbindet sich damit die Hoffnung, wieder heimkehren zu dürfen. „Mama wird’s schon richten.“  In diesem Fall geschieht es ja auch, die Verbannten kehren zurück. Eine erfreuliche Geschichte, wie ja auch die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland bei allen Härten durchaus positiv war.

Es lässt sich allerdings auch ein großes „Aber“ nicht überhören. Diesen, wenn man so will, Erfolgsgeschichten stehen viele Lebensumstände gegenüber, die sich keineswegs zum Besseren gewendet haben. Die Leidenswege der Menschen in der Welt sind vielfältig. Fallen diese dann aus der mütterlichen Sorge Gottes heraus? Andererseits: Würden wir einer Mutter mangelnde Liebe vorwerfen, wenn sie nicht erfolgreich helfen konnte? Genügt nicht schon das Bewusstsein, von Ewigkeit her geliebt zu sein? Ist nicht schon eine Menge gewonnen, wenn wir wissen, dass unser Schicksal nicht Strafe ist, dass Gott auch mit uns leidet?

Nun ja, es ist sicher ein schönes Gefühl, bedingungslos geliebt zu sein, aber natürlich wünschen wir uns auch, dass die, die uns lieben, auch etwas tun. Was unternimmt Gott? Ich meine schon, dass Er nicht untätig ist. Er hat immerhin die Menschen mit der Fähigkeit zur Liebe und zu solidarischem Handeln ausgestattet. Er sucht ständig nach Partnern in seinem Bemühen um eine humane Welt, und wo soll Er sie finden, wenn nicht unter den Menschen? Eines wird klar in der Botschaft des Jesaja: Gott liegt nicht an Strafen und Zerstören, Er hat immer das Wohl der Menschen im Sinn. Das ist kein einfaches Geschäft, denn die Menschen sind leider so gestrickt, dass sie gern mal aufs Glatteis gehen und oft merkwürdige Vorstellungen von ihrem Wohl haben.

Für mich bleibt eine doppelte Botschaft. Es bedeutet einen großen inneren Reichtum, sich von Gott geliebt und angenommen zu wissen. Ich sehe zunächst darin einen Gewinn für mich, nicht in der Veränderung der äußeren Umstände, aber doch in einem Reichtum des Herzens; nicht in einem üppigen Wohlstand, aber doch in der Freude an der Gegenwart Gottes; nicht in einem schmerzfreien Leben, aber vielleicht in der Kraft, auch das Unabänderliche anzunehmen. Kennen wir nicht aus unserer eigenen Geschichte die Erfahrung, wie Zusammenbrüche und Enttäuschungen auch Neues und Kostbares wachsen ließen?

Daneben höre ich allerdings auch ein Zweites heraus: Es ist mein Auftrag, die Liebe zu leben, Solidarität umzusetzen, die Schwachen zu stützen. Eigentlich genauer: Es ist die Lebensaufgabe für jeden Menschen, das Siegel seines Menschseins. Die erschreckenden Leiden, denen Menschen ausgesetzt sind, die ihnen oft genug auch andere Menschen antun, können uns nicht in Ruhe lassen.

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Siebter Sonntag im Jahreskreis A

Veröffentlicht am 20.02.2014
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Sechster Sonntag im Jahreskreis A

Veröffentlicht am 13.02.2014

„Die zwei sind wie Feuer und Wasser.“ Sie kennen diese Redewendung. Sie drückt aus, dass zwei Menschen sich nicht vertragen. Wenn sie zusammen kommen, gibt es Probleme. So große Gegensätze scheinen auch Tod und Leben zu sein. Jesus Sirach spricht von einer Wahl, die wir treffen können: entweder das eine oder das andere. Wem würde die Wahl da schwer fallen? Natürlich wähle ich das Leben. Aber ich will nicht nur einfach existieren, ich will mich des Lebens freuen. Ich will glücklich sein, zumindest in dem Maß, in dem es in einer begrenzten Welt möglich ist.

Vermutlich können Sie bis zu diesem Punkt mitgehen. Es wäre doch irgendwie merkwürdig, wenn Ihnen ein Leben als Leidensweg lieber wäre. Aber treten wir doch noch einen Schritt zurück. Wie ist das mit Feuer und Wasser, Leben und Tod? Sind sie so völlig unverträglich? In welcher Beziehung stehen sie zueinander?

Es stimmt natürlich: Wasser löscht Feuer. Es gilt allerdings auch: Feuer kann Wasser erhitzen, wenn wir beide durch die Wände eines Topfes auseinander halten. Das Feuer bringt also in das Wasser eine besondere Qualität, die Wärme. Für das Kochen und Waschen ist das ein ganz wesentlicher Faktor.

Vergleichbares gilt auch für Leben und Tod. Das Bewusstsein des Todes kann das Leben verändern. Ich muss mir zunächst klar machen, dass der Tod nicht in ferner Zukunft liegt, dass er vielmehr in jedem Augenblick neben mir steht. Wer weiß schon, was morgen ist? Das mag zunächst ein unangenehmer Gedanke sein, aber er nimmt die Wirklichkeit wahr, wie sie ist. Zu einem ehrlichen Blick auf sich selbst gehört die Einsicht in die eigenen Grenzen und Fehler, in die Schuld meines Lebens, aber auch die Erkenntnis meiner Vergänglichkeit.

Ehrliche Selbsterkenntnis ist heilsam. Den Tod zu akzeptieren trotz des damit verbundenen Schmerzes ist heilsam. Die absolute Grenze, die der Tod darstellt, stellt eine klare und einfache Frage: Was willst Du mit der begrenzten Zeit zwischen Geburt und Sterben anfangen? An diesem Punkt können wir an den Beginn zurückgreifen: Ich will in dieser Zeit wirklich leben, mich freuen und glücklich sein. Und schon sind wir mitten in den Problemen, denn: Welches ist denn der richtige Weg zur Lebensfreude?

Sehen Sie, ich beobachte nur: Die meisten Menschen sind nicht glücklich, nicht einmal wirklich zufrieden, auch wenn sie ein hohes Einkommen erzielen. Sie können vielleicht gegenüber anderen damit angeben, aber sie leiden fast immer unter der Hetze, unter dem Leistungsdruck, unter der Konkurrenz. Sie fühlen sich im Würgegriff der Arbeit. Und nicht nur sie leiden, allzu oft leiden die Familien mit. Als Quelle der Freude sind Arbeit und Einkommen oft eine ziemlich fragwürdige Angelegenheit. Zum Arbeitsstress kommt der Freizeitstress hinzu. Denn der Wunsch, möglichst viel mitzunehmen und zu erleben, zieht die gleiche Hetze nach sich. Nur nichts versäumen!

Was heißt es also, das Leben zu wählen? Ist es ein Leben, wenn die Hetze des Alltags alles aufzehrt? Ist es ein Leben, wenn mich Statussymbole wie Auto, großes Haus, die neuesten technischen Kommunikationsmittel so viel Geld kosten, dass die Arbeit dafür jeden Genuss aufzehrt? Und um das Ganze noch zu verschärfen: Finde ich in all den Dingen, die ich meine haben zu müssen, Antworten in den Brüchen des Lebens, in Krankheit und Verlust?

Vielleicht wäre es klug umzudenken. Vielleicht gilt es, weniger zu wählen, dafür aber das, was wirklich das Herz erfüllt. Dazu lädt Jesus ein. Kehrt um! Denkt um! Es gibt eine unerschöpfliche Quelle der Lebensfreude, sich voll Vertrauen in Gottes Hände

fallen zu lassen und in diesem Vertrauen frei zu werden für die einfachen Erfahrungen des Lebens, die Gemeinschaft mit Menschen, die ich gern habe, die Natur, die mich umgibt, Essen und Trinken, die nicht besonders raffiniert sein müssen, selbst kreativ werden zu dürfen., sich verlieren in der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Was erfüllt mein Herz mehr als oberflächlicher Nervenkitzel? Was sättigt meine Seele wirklich?

 

 

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Fünfter Sonntag Jahreskreis A

Veröffentlicht am 05.02.2014
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Jesus: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das

Leben."

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