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Achter Sonntag im Jahreskreis A

Veröffentlicht am 27.02.2014

Am Ende des Zweiten Weltkriegs trat für Millionen von Menschen eine weitere Katastrophe ein, als ob der Krieg mit seinen Opfern nicht schon genug an Härten gehabt hätte. Es war die Vertreibung, der Verlust der Heimat. Es ist eine ähnliche Katastrophe, wie sie den Israeliten widerfuhr, als das Königreich Juda von den Babyloniern überrollt und die Bewohner in die Verbannung verschleppt wurden. In dieser Situation, die geprägt ist von Trauer und Heimweh, von bohrenden Fragen nach Schuld und Versagen, nach Gottes Gegenwart, findet ein Prophet starke Bilder für Gott. Er vergleicht seine Sorge um die Menschen mit der zärtlichen Liebe einer Mutter für ihre Kinder, ja Er überbietet sie sogar noch.

Helfen mir die neuen, starken Bilder für Gott? Was da gesagt wird, klingt zumindest gut: Gott wendet sich voll mütterlicher Sorge den Menschen zu. Für die Israeliten im Exil verbindet sich damit die Hoffnung, wieder heimkehren zu dürfen. „Mama wird’s schon richten.“  In diesem Fall geschieht es ja auch, die Verbannten kehren zurück. Eine erfreuliche Geschichte, wie ja auch die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland bei allen Härten durchaus positiv war.

Es lässt sich allerdings auch ein großes „Aber“ nicht überhören. Diesen, wenn man so will, Erfolgsgeschichten stehen viele Lebensumstände gegenüber, die sich keineswegs zum Besseren gewendet haben. Die Leidenswege der Menschen in der Welt sind vielfältig. Fallen diese dann aus der mütterlichen Sorge Gottes heraus? Andererseits: Würden wir einer Mutter mangelnde Liebe vorwerfen, wenn sie nicht erfolgreich helfen konnte? Genügt nicht schon das Bewusstsein, von Ewigkeit her geliebt zu sein? Ist nicht schon eine Menge gewonnen, wenn wir wissen, dass unser Schicksal nicht Strafe ist, dass Gott auch mit uns leidet?

Nun ja, es ist sicher ein schönes Gefühl, bedingungslos geliebt zu sein, aber natürlich wünschen wir uns auch, dass die, die uns lieben, auch etwas tun. Was unternimmt Gott? Ich meine schon, dass Er nicht untätig ist. Er hat immerhin die Menschen mit der Fähigkeit zur Liebe und zu solidarischem Handeln ausgestattet. Er sucht ständig nach Partnern in seinem Bemühen um eine humane Welt, und wo soll Er sie finden, wenn nicht unter den Menschen? Eines wird klar in der Botschaft des Jesaja: Gott liegt nicht an Strafen und Zerstören, Er hat immer das Wohl der Menschen im Sinn. Das ist kein einfaches Geschäft, denn die Menschen sind leider so gestrickt, dass sie gern mal aufs Glatteis gehen und oft merkwürdige Vorstellungen von ihrem Wohl haben.

Für mich bleibt eine doppelte Botschaft. Es bedeutet einen großen inneren Reichtum, sich von Gott geliebt und angenommen zu wissen. Ich sehe zunächst darin einen Gewinn für mich, nicht in der Veränderung der äußeren Umstände, aber doch in einem Reichtum des Herzens; nicht in einem üppigen Wohlstand, aber doch in der Freude an der Gegenwart Gottes; nicht in einem schmerzfreien Leben, aber vielleicht in der Kraft, auch das Unabänderliche anzunehmen. Kennen wir nicht aus unserer eigenen Geschichte die Erfahrung, wie Zusammenbrüche und Enttäuschungen auch Neues und Kostbares wachsen ließen?

Daneben höre ich allerdings auch ein Zweites heraus: Es ist mein Auftrag, die Liebe zu leben, Solidarität umzusetzen, die Schwachen zu stützen. Eigentlich genauer: Es ist die Lebensaufgabe für jeden Menschen, das Siegel seines Menschseins. Die erschreckenden Leiden, denen Menschen ausgesetzt sind, die ihnen oft genug auch andere Menschen antun, können uns nicht in Ruhe lassen.