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Dreifaltigkeitssonntag

Veröffentlicht am 12.06.2014

Dreifaltigkeitssonntag

Wenn Sie gefragt würden, wie Gott ist, was würden Sie antworten? Viele würden auf Anhieb vielleicht gar nichts sagen können, weil sie sich keine Gedanken darüber gemacht haben. Die meisten würden wohl kaum sagen: Er ist dreifaltig. Mehr würden wahrscheinlich Gott so sehen, wie er heute in der Lesung aus dem AT beschrieben wird: barmherzig.

Das klingt gut. Da ist kein gleichgültiges allgemeines Lebensprinzip, sondern ein lebendiger Gott, der ein Herz für seine Lebewesen hat. Da ist kein strenger und kleinlicher Richter, sondern einer, der gütig auf die Menschen schaut. Da ist kein Gott, der uns an unserer Leistung misst, sondern einer, der uns in zuvorkommender Liebe annimmt. Dieser Kern der Heiligen Schrift von Anfang an klingt wirklich gut.

Zunächst allerdings ist das eine Botschaft, die nur auf dem Papier steht. Die Frage bleibt, wie sie mein Leben verändert.

Eine erste Veränderung betrifft mein Lebensgefühl. Das Leben fühlt sich ganz anders an, wenn ich mir bewusst bin, dass ich kein Produkt des Zufalls bin, sondern von Gott von Ewigkeit her gewollt und gesucht. Mein Lebensrecht muss ich mir nicht erst verdienen. Ich muss mich nicht ständig mit anderen vergleichen. Ich muss niemanden übertrumpfen und ausstechen.

Das Leben fühlt sich anders an, wenn ich um die persönliche Nähe Gottes weiß. Die überraschende Bitte des Mose zielt ja genau darauf: Geh doch mit uns. Sei bei uns auf unseren Wegen, wie du es am brennenden Dornbusch zugesagt hast. Es mag schon sein, dass uns Gott die Mühen des Lebens nicht abnimmt, aber es verändert schwere Zeiten, wenn ich Gott an meiner Seite weiß. Glaubende Menschen machen immer wieder die Erfahrung, dass ihr Gottvertrauen sie trägt und hält, ihnen Kraft und Lebensmut gibt. Es ist ein Bollwerk gegen die Resignation.

In der Szene mit Mose und Jahwe auf dem Berg blitzt noch etwas anderes auf. Mir fällt am Verhalten des Mose auf, dass er nicht einfach die Gegenwart Gottes genießt, solange es geht. Er nutzt den Augenblick, um über sich selbst hinauszublicken. Er bittet auch nicht für sich, sondern für das ganze Volk. Für mich ergibt sich hier eine wichtige Verbindung. Gott handelt barmherzig nicht nur in der Kraft des Glaubens, Er wird auch ganz konkret aktiv. Dazu braucht er allerdings Partner, dazu braucht Er Menschen, die sich von der Liebe anstecken lassen.

Es ist in der Tat richtig, dass ein glaubender Mensch nie allein ist, wie Papst Benedikt einmal feststellte. Vor allem Jesus macht deutlich, dass Gott noch eine viel handgreiflichere Nähe will. Dann kann der Trauernde die tröstliche Nähe Gottes auch in einem anderen Menschen erfahren. Dann kann der Mensch, der im Elend lebt und hungert, die helfende Nähe Gottes auch in Menschen erleben, die bereit sind zu teilen. Dann wird Ausgegrenzten und an den Rand Gedrängten Gemeinschaft geschenkt durch Menschen, die in Gottes Geist der Versöhnung auf sie zugehen.

Es ist schön, einen Gott verkünden zu dürfen, der barmherzig ist, ja der sich in bedingungsloser Liebe den Menschen zuwendet. Diese Botschaft hängt jedoch irgendwie in der Luft, wenn wir Christen nicht als die erlebt werden, die barmherzig sind. Wir müssen darauf achten, dass in all den Belastungen des Alltags in unserer Gesellschaft, das bei aller Sorge um unser eigenes Wohlergehen, gerade dieser Kern des Christlichen nicht auf der Strecke bleibt.