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Fünfte Sonntag der Osterzeit B 2017

Veröffentlicht am 11.07.2015

Der Verlierer erhält den Trostpreis. Er soll darüber hinweg getröstet werden, dass er verloren hat. Bleibt für die Jünger nach der Kreuzigung nicht doch nur der Trostpreis? Die Gewinner scheinen ganz offensichtlich andere zu sein. Aber durch die Auferstehung Jesu ändert sich alles, der Trostpreis für die Verlierer wird zum Hauptgewinn. Und wenn Jesus sie und uns tröstet, dann ist das kein billiger Trost, sondern ein Trost, der getragen ist von dem, der das Leben selbst ist.

Jesus spricht Abschiedsworte, und es sind Worte des Trostes. "Lasst euch nicht verwirren!" Lasst euch nicht verwirren vom scheinbaren Triumph der Mächtigen! Lasst euch nicht verwirren, wenn die Bösen scheinbar das Feld behaupten! Lasst euch nicht verwirren, wenn Leid nach euch greift! Lasst euch nicht verwirren von all dem Elend, dem Hunger und der Not! Lasst euch nicht verwirren von der scheinbaren Unbesiegbarkeit des Todes! Lasst euch nicht verwirren und glaubt an mich und vertraut meinem Vater!

Täglich erlebe ich Menschen, die genau aus diesem Trost leben: Menschen mit dem Kreuz schwerer Krankheit auf den Schultern; Menschen in der Trauer um geliebte Verstorbene; Menschen, die am Zustand der Welt leiden; die aber dennoch an der Hoffnung festhalten; die aber trotzdem das Vertrauen nicht aufgeben, dass am Ende alles gut wird. Statt sich von Jesus abzuwenden, zeigen sie ihre Treue zu ihm und seiner Botschaft. Jesu Worte sind keine hilflosen Durchhalteparolen angesichts einer verlorenen Sache. Hinter ihnen steht der Schöpfer, der aus dem Nichts alles erschaffen hat, hinter ihnen steht die Kraft Gottes, der auch aus dem Tod zum Leben ruft.

Jesus erreicht mit seinem Trost die Herzen der Jünger, weil er gute Aussichten im Blick hat. Er verteilt keine billigen Trostpflästerchen, weil er um einen Weg in eine helle Zukunft weiß, ja weil er selbst dieser Weg ist. Er ermutigt zur Hoffnung in scheinbar hoffnungslosen Situationen. Er lädt zum Vertrauen ein in scheinbar völlig verfahrenen Lagen. Er kann das tun, weil er den Ausweg kennt. Merkmale des Weges in das Reich Gottes sind die Liebe und die Solidarität, der Dienst am Leben und die Freude an Gott. Menschen gehen ihn, die solidarisch handeln, auch wenn sie damit allein dastehen. Menschen gehen ihn, die verzeihen, auch wenn ihnen das nicht vergolten wird. Menschen gehen ihn, die bescheiden leben, um der Schöpfung nicht zu schaden, auch wenn sie damit eine Minderheit sind. Sie fragen nicht erst: Was tun andere? Sie handeln aus der Liebe. Sie schieben die Verantwortung nicht auf andere oder die Mehrheit – etwa beim Kampf gegen den Klimawandel. Sie nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie fangen einfach an, im Sinne der Schöpfung zu handeln. Sie fragen nicht nach den Kosten, wenn es darum geht zu helfen.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ sagt Jesus und wir Christen und Christinnen haben den Anspruch, diesem Weg des Lebens zu folgen. Dem Weg Jesu folgen ist aber nicht einfach. Ich persönlich kann und möchte ihn nicht alleine gehen. Ich brauche Menschen, die mir Beispiel sind, die Zeugnis geben, die mich weiterbringen im Glauben. Viele sind es, die vor mir waren und viele, die mit mir gehen, auf die ich meinen Glauben baue. Manche vielleicht wird es geben, die wieder ihren Glauben auf meinem Zeugnis aufbauen.

Jesus präsentiert uns heute nicht den Trostpreis für die Verlierer. Wir dürfen den Hauptgewinn abholen, die Eintrittskarte in das ewige Leben.