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Veröffentlicht am 24.08.2018

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis B 

Stundenlang sitzen Menschen zusammen nach einem plötzlichen Tod, nach einem Unfall, sie weinen, schweigen und reden, drehen und wenden das Geschehen und ihre Erfahrungen mit immer gleichen oder immer neuen Worten. Immer nur Worte oder schweigende Nähe. Und doch ändert sich etwas. Als die meisten aufbrechen wollen, die Bitte: Bleibt doch noch. Lasst mich jetzt nicht allein!

Bleibe bei uns, so hören wir die beiden Jünger von Emmaus, denen das Reden über den Tod Jesu gut getan hatte.

Bleib doch noch, so die heilige Scholastika in einem berühmt gewordenen Gespräch zu ihrem Bruder, dem heiligen Benedikt.

Wir bleiben bei dir, so hören wir Petrus heute im Evangelium. Nur du hast Worte des ewigen  Lebens.

Worte? Nichts als Worte? Wir gehen doch unter in einer Flut von Worten. Doch da sind immer wieder Worte, die uns berühren, die uns guttun, die uns weiterhelfen. Es kann trösten, etwas durchzusprechen und mit seiner Not gehört zu werden. Es kann stark machen, wenn jemand mir Mut zuspricht. Es kann Hoffnung aufgehen, wenn jemand mir Wege in die Zukunft zeigt. Worte sind oft bloß Worte, nichts als Wortgeblubber, Wort tragen immer wieder aber auch das Gewicht von Nähe und Zuneigung, von Beistand und miteinander Aushalten.

„Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Petrus tritt mal wieder als Wortführer der Jünger auf. Er fasst ins Wort, was die Erfahrung der Jünger ist, dass in Jesu Worten mehr sich zeigt als das übliche Wortgeblubber, dass seine Worte die Ewigkeit aufschließen. Für viele andere galt das nicht: Wir wollen dich nicht mehr hören, hieß es da. Wir verstehen dich nicht, und wir wollen auch keine Zeit mehr mit dir vergeuden.

Es ist nicht leicht für das Wort des Lebens den Weg zu den Menschen zu finden. Oft scheitert es daran, in den Alltag einzusickern und in das Denken eines Menschen, um dort Zuversicht und Lebensmut wachsen zu lassen. Oft geht es unter, weil Menschen meinen, es hätte keine Bedeutung für ihr Leben und könne ihnen keine Hilfe sein, um sich in der modernen Welt zu orientieren, oder es sei einfach weltfremd, den Anforderungen einer neuen Zeit nicht gewachsen. Was sollen mir „Worte des ewigen Lebens“, so fragen Menschen, ich brauche doch Worte für dieses Leben, für diese Zeit.

Warum kommen wir hierher? Weil wir die „Worte des ewigen Lebens“ hören wollen? Weil wir Christus selbst begegnen möchten in der „unerträglichen Wahrheit“, dass er in Brot und Wein sich uns schenkt?

Leben in Fülle ist möglich für den, der sich der „Unerträglichkeit“ Gottes aussetzt, sie erträgt und mitträgt – und der dabei entdeckt, dass er von Gott getragen wird. Es hängt also alles daran, sich im Glauben an Christus zu hängen. Wenn ich wissen möchte, ob ein Seil trägt, muss ich es ausprobieren. Wenn ich wissen möchte, ob mich der Glaube trägt, muss ich mich darauf einlassen und ihn leben. Wenn ich wissen möchte, ob der Weg Jesu, der Weg einer großen Liebe, tatsächlich ein Mehr an Leben bringt.

Nicht die Theorie entscheidet, auch nicht der Spaßfaktor im Leben einer Pfarrgemeinde, sondern die Bereitschaft, sich auf Erfahrungen mit dem einzulassen, der „Worte des ewigen Lebens“ hat. Ich muss sie „essen“, „durchkauen“ und schließlich im Glauben den Sprung wagen, die Konsequenzen aus diesen Worten zu leben.