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Pfingsten

Veröffentlicht am 06.06.2014

Aus einer Kritik: „Der Redner offenbarte eine beachtliche Unkenntnis des Sachverhalts.“ Da offenbart sich nicht Gott, da offenbart ein Mensch etwas von sich. So hören wir auch noch manchmal im Alltag: „Mein Freund hat sich mir im Vertrauen offenbart.“ Er hat etwas von sich preisgegeben, das nicht einfach offen zutage liegt.

Im kirchlichen Rahmen denken wir bei dem Stichwort „offenbaren“ an Gott, der etwas von sich zeigt oder mitteilt. Der Ort dieses Geschehens ist für uns Christen vor allem Jesus, der Mensch, der Gott in der Welt sichtbar und spürbar macht, der ihm eine Sprache gibt. Aber es ist nicht so, dass sich Gott nur auf Jesus beschränkt. Pfingsten bedeutet, dass der Geist in vielen wirken möchte. Es ist an uns weiterzutragen, was in Jesus begonnen hat, die rückhaltlose Vergebung zu leben, einander anzunehmen, zu tragen und zu ertragen, einander in zuvorkommender Liebe zu begegnen, die Einsamkeit aufzubrechen, für die Kranken da zu sein, die Hoffnung auf das Reich Gottes wach zu halten.

In Jesus offenbart Gott eine Leidenschaft für die Menschen. Wie sollte er denn diese Leidenschaft heute ausdrücken, wenn nicht durch uns? Wie sollte er seine Liebe sichtbar machen, wenn nicht durch Menschen, die eben nicht nur um die eigenen Interessen kreisen, denen Hab und Gut, Ansehen und Erfolg nicht alles ist, die einen größeren Reichtum kennen als das, was wir uns leisten können? Vielleicht kennen Sie das Gefühl, ganz ergriffen und überwältigt zu sein, vielleicht kennen Sie auch die Erfahrung, ganz erfüllt zu sein von Liebe, vielleicht war ja Ihre Hochzeit ein solcher Moment. So ähnlich ist wohl Pfingsten: der Augenblick, an dem ein Mensch erkennt, dass Gott seine Zukunft ist; der Moment, an dem ein Menschen erlebt, wie die Liebe in ihm überströmt; die Erfahrung einer großen Weite und Freiheit.

Ich bin fasziniert von den Energien, die Menschen an den Tag legen, um Sommerfeste zu organisieren oder Sportereignisse. Das ist toll. Aber im Grunde genommen, geht es uns doch um etwas unvergleichlich Kostbareres, um das wahre Fest des Lebens, das uns Gott bereitet, das wir in seinem Geist einander bereiten können. Wir sind der Ort, an dem Gott etwas von sich zu erkennen gibt. Wir sind der Ort, an dem seine Liebe lebt. Wir sind der Ort, an dem etwas vom Himmel aufblitzt.

Natürlich können wir die Erfahrung der Jünger von damals nicht an einem bestimmten Tag im Kirchenjahr sozusagen auf Knopfdruck wiederholen. Das Fest Pfingsten erinnert an die Initialzündung damals, ohne die es den Weg der christlichen Botschaft durch die Geschichte gar nicht gäbe. Das Fest erinnert uns aber auch daran, dass es das Wehen des Geistes auch in unserem Leben gab und gibt. Vielleicht war es nie das Brausen eines Sturmes, aber mindestens ein frisches Lüftchen muss es gewesen sein, sonst wären wir jetzt nicht hier.

Paulus sieht die Spuren dieses Wehens in den Menschen, die Gemeinde Jesu Christi bilden. Er sieht sie im Glaubenszeugnis und im Leben der Liebe. Er sieht sie in den Menschen, die bereit sind, ihre Gaben und Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. In ihnen sieht er eine echte Offenbarung Gottes. Sie hat allerdings den Sinn, dass „sie anderen nützt.“ Ansonsten offenbaren Christen vielleicht noch ihre eigene Müdigkeit und Gleichgültigkeit, aber nicht den Gott, der lebendig macht und in Schwung bringt.

Pfingsten heißt: Wir sind die Buchstaben, mit denen sich die Botschaft des Evangeliums buchstabiert; wir sind die Töne, die sich zu einer Melodie der Liebe finden; wir sind die Geschöpfe, in denen etwas von Gottes Geist Fleisch und Blut wird.