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Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis C

Veröffentlicht am 28.08.2019

Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis C 

 

Ratschläge für gutes Benehmen – brauchen wir dazu eine Erzählung aus dem Evangelium? Noch dazu ein Lob der Bescheidenheit, die so gar nicht in unsere Zeit passt. Wer es bei uns zu etwas bringen will, der muss doch selbstbewusst auftreten, der muss sich selbst optimieren, der muss sich in das beste Licht rücken.

Warum ist es Lukas wichtig, dieses Gespräch wiederzugeben?

Jesus wird wohl nicht seine Jünger fit machen wollen, damit sie sich bei späteren Einladungen auch richtig zu benehmen wissen. Das nicht, aber er will sie schon fit machen, fit aber für das Mahl des ewigen Lebens, für das Gastmahl im Reich Gottes. Wer bei diesem Fest dabei sein will, der sollte schon wissen, wie die Gäste sich dort zu benehmen haben. Lukas scheint eine Lektion in einem guten himmlischen Benehmen so wichtig zu sein, dass er sie für die Nachwelt festhalten wollte.

Jesus plädiert für einen Perspektivenwechsel. Er sieht alles aus der Warte des Himmels. Das verändert unsere Selbstwahrnehmung. Wer den Himmel im Kopf und im Herzen hat, der muss sein Selbstwertgefühl nicht mehr von Menschen, von Erfolgen und Ansehen beziehen. Es erübrigt sich also, immer wieder herauszustreichen, wie toll wir doch sind. Seine Würde als Mensch gründet in Gotts Liebe, ruht darauf, dass Gott seine Schöpfung nicht ohne ihn gewollt hat. Er weiß aber auch, dass es für das Reich Gottes keinen Eintrittspreis gibt. Kein Geld der Welt verschafft uns einen Platz beim himmlischen Gastmahl. Keine noch so tollen Erfolge, nicht einmal ein moralisch einwandfreier Lebenswandel öffnen die Tore des Himmels. Der Eintritt wird uns geschenkt.

Aus der Perspektive des Himmels verändern sich die Maßstäbe. Vor Gott hat der erfolgreiche Manager eines Großunternehmens nicht mehr Würde als der Mann, der gezwungen ist, von Hartz IV zu leben. Aus der Sicht des Himmels hat die Frau, die als Lehrerin angesehen und geachtet ist, keine größere Ehre als die Frau, die sich in sozial prekären Verhältnissen durchschlagen muss. Am Tor zum Reich Gottes wird der kirchliche Würdenträger nicht bevorzugt gegenüber all denen, die öffentlich nicht in Erscheinung getreten sind. Es ist sinnlos, sich aufzublasen. Es ist sinnlos, auf andere herabzuschauen. Es ist sinnlos, die Rechnung der eigenen tollen Leistungen aufzumachen.

Beim Gastmahl des ewigen Lebens sind nicht die Großen dieser Welt die bevorzugten Gäste. Da werden wohl die ganz oben sitzen, die es nie zu etwas gebracht haben, oder all die, die es nicht geschafft haben, hohe moralische Standards zu leben, oder wohl auch diejenigen, die einsam und gedemütigt durch das Leben gingen. Ich sehe da auf den Ehrenplätzen die Frauen und Männer, die schon in der Schule ausgesiebt wurden, die Menschen, die immer wieder für dumm verkauft wurden, die Flüchtlinge, die keine Chance hatten, auf einen grünen Zweig zu kommen. Rück weiter hinauf wird es für die heißen, die lange Zeit krank und behindert lebten, für die, die einsam geblieben sind und nicht beachtet wurden. So werden manche Erste die Letzten sein und manche Letzte die Ersten sein.

Gibt es so etwas wie eine christliche Etikette? Es sieht so aus. Christen reiten nicht auf dem hohen Ross der Dünkel. Sie ehren die, die unter Menschen nicht geehrt werden. Sie urteilen nicht und zerreißen sich nicht das Maul. Sie vergessen nie, dass auch sie nur aus Gnade gerettet sind.