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Sechster Sonntag im Jahreskreis A

Veröffentlicht am 13.02.2014

„Die zwei sind wie Feuer und Wasser.“ Sie kennen diese Redewendung. Sie drückt aus, dass zwei Menschen sich nicht vertragen. Wenn sie zusammen kommen, gibt es Probleme. So große Gegensätze scheinen auch Tod und Leben zu sein. Jesus Sirach spricht von einer Wahl, die wir treffen können: entweder das eine oder das andere. Wem würde die Wahl da schwer fallen? Natürlich wähle ich das Leben. Aber ich will nicht nur einfach existieren, ich will mich des Lebens freuen. Ich will glücklich sein, zumindest in dem Maß, in dem es in einer begrenzten Welt möglich ist.

Vermutlich können Sie bis zu diesem Punkt mitgehen. Es wäre doch irgendwie merkwürdig, wenn Ihnen ein Leben als Leidensweg lieber wäre. Aber treten wir doch noch einen Schritt zurück. Wie ist das mit Feuer und Wasser, Leben und Tod? Sind sie so völlig unverträglich? In welcher Beziehung stehen sie zueinander?

Es stimmt natürlich: Wasser löscht Feuer. Es gilt allerdings auch: Feuer kann Wasser erhitzen, wenn wir beide durch die Wände eines Topfes auseinander halten. Das Feuer bringt also in das Wasser eine besondere Qualität, die Wärme. Für das Kochen und Waschen ist das ein ganz wesentlicher Faktor.

Vergleichbares gilt auch für Leben und Tod. Das Bewusstsein des Todes kann das Leben verändern. Ich muss mir zunächst klar machen, dass der Tod nicht in ferner Zukunft liegt, dass er vielmehr in jedem Augenblick neben mir steht. Wer weiß schon, was morgen ist? Das mag zunächst ein unangenehmer Gedanke sein, aber er nimmt die Wirklichkeit wahr, wie sie ist. Zu einem ehrlichen Blick auf sich selbst gehört die Einsicht in die eigenen Grenzen und Fehler, in die Schuld meines Lebens, aber auch die Erkenntnis meiner Vergänglichkeit.

Ehrliche Selbsterkenntnis ist heilsam. Den Tod zu akzeptieren trotz des damit verbundenen Schmerzes ist heilsam. Die absolute Grenze, die der Tod darstellt, stellt eine klare und einfache Frage: Was willst Du mit der begrenzten Zeit zwischen Geburt und Sterben anfangen? An diesem Punkt können wir an den Beginn zurückgreifen: Ich will in dieser Zeit wirklich leben, mich freuen und glücklich sein. Und schon sind wir mitten in den Problemen, denn: Welches ist denn der richtige Weg zur Lebensfreude?

Sehen Sie, ich beobachte nur: Die meisten Menschen sind nicht glücklich, nicht einmal wirklich zufrieden, auch wenn sie ein hohes Einkommen erzielen. Sie können vielleicht gegenüber anderen damit angeben, aber sie leiden fast immer unter der Hetze, unter dem Leistungsdruck, unter der Konkurrenz. Sie fühlen sich im Würgegriff der Arbeit. Und nicht nur sie leiden, allzu oft leiden die Familien mit. Als Quelle der Freude sind Arbeit und Einkommen oft eine ziemlich fragwürdige Angelegenheit. Zum Arbeitsstress kommt der Freizeitstress hinzu. Denn der Wunsch, möglichst viel mitzunehmen und zu erleben, zieht die gleiche Hetze nach sich. Nur nichts versäumen!

Was heißt es also, das Leben zu wählen? Ist es ein Leben, wenn die Hetze des Alltags alles aufzehrt? Ist es ein Leben, wenn mich Statussymbole wie Auto, großes Haus, die neuesten technischen Kommunikationsmittel so viel Geld kosten, dass die Arbeit dafür jeden Genuss aufzehrt? Und um das Ganze noch zu verschärfen: Finde ich in all den Dingen, die ich meine haben zu müssen, Antworten in den Brüchen des Lebens, in Krankheit und Verlust?

Vielleicht wäre es klug umzudenken. Vielleicht gilt es, weniger zu wählen, dafür aber das, was wirklich das Herz erfüllt. Dazu lädt Jesus ein. Kehrt um! Denkt um! Es gibt eine unerschöpfliche Quelle der Lebensfreude, sich voll Vertrauen in Gottes Hände

fallen zu lassen und in diesem Vertrauen frei zu werden für die einfachen Erfahrungen des Lebens, die Gemeinschaft mit Menschen, die ich gern habe, die Natur, die mich umgibt, Essen und Trinken, die nicht besonders raffiniert sein müssen, selbst kreativ werden zu dürfen., sich verlieren in der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Was erfüllt mein Herz mehr als oberflächlicher Nervenkitzel? Was sättigt meine Seele wirklich?