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Siebter Sonntag im Jahreskreis A

Veröffentlicht am 20.02.2014

Möchten Sie wie Gott sein? Ich meine nicht leben wie Gott in Frankreich, sondern tatsächlich, wie Gott sein. Möchten Sie das? Vermutlich empfinden Sie das als eine blasphemische Frage. Ist der Wunsch, wie Gott zu sein, nicht die Wurzel der Sünde im AT? Gefährlich ist es wohl, wenn Menschen auf der Erde schalten und walten, als wären sie Gott, als könnten sie nach Belieben entscheiden, nach Willkür zerstören und ausbeuten.

Doch in einem Punkt dürfen wir nicht nur wie Gott sein, wir sollen es sogar. Wir sollen heilig sein, und das bedeutet, wir sollen sein wie der heilige Gott. Jesus sagt das ganz unverblümt: Seid vollkommen, wie es auch euer himmlischer Vater ist. Levitikus spricht aus, was es bedeutet, ein heiliges Leben zu führen: Sich von Gott anstecken lassen zu einem Leben der Liebe. Zwei Pole eines Lebens auf dem Boden der Bibel zeichnen sich hier ab, die Bindung an Gott und die Zuwendung zum Nächsten. Die Heilige Schrift drückt das im sogenannten Doppelgebot aus: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deiner Kraft, und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Die Rückbindung an Gott ist keine Nebensache. Woher sollten wir die Kraft der Liebe schöpfen, wenn nicht aus der Quelle der Liebe? Gibt es einen Menschen, der über die Liebe verfügen kann, der sie anstellen und abstellen könnte, wie man einen Wasserhahn aufdreht oder abdreht? Wir verfügen nicht über sie, sondern lassen sie durch uns hindurch strömen. Doch eines wird klar: Schon im AT ist uns die Humanisierung der Welt aufgegeben. Wir haben als Christen da ein riesiges und immer unabgeschlossenes Arbeitsgebiet, eine Dauerbaustelle sozusagen.

Anfragen an uns:

Wie kann ich daran mitwirken, meine Umgebung so zu gestalten, dass ein liebevolles Miteinander entsteht? Wie kann ich in dem Ausschnitt der Gesellschaft, in dem ich lebe und arbeite, zu Frieden und Versöhnung betragen? Wie kann ich mich einbringen in der Sorge um mehr Gerechtigkeit in der Welt, im Kampf gegen Hunger und Elend? Wie kann ich Licht bringen, wo Krankheit und Leid, Einsamkeit und Angst das Leben verdunkeln?

Die Heilige Schrift bietet enorm viel an Gesprächsstoff. Auch eine Pfarrgemeinde muss eigentlich für sich aushandeln, wie sie ihr Leben als christliche Gemeinde gestalten will. Wie verhalten wir uns angesichts der Erkenntnis, dass der Gott, der bedingungslos liebt, uns zur Liebe drängt? Und wie wird das dann konkret? Ich vermute allerdings, dass es mir wie dem Paulus auf dem Marktplatz von Athen ging, wenn ich zu einem solchen Gespräch einladen wollte. Er musste damals hören: Ach, darüber wollen wir dich ein andermal hören. Aber es erscheint mir schon eine entscheidende Frage, wie wir auf den Anruf Gottes in der Heiligen Schrift antworten, als einzelne und als Gemeinde.

Wir sollten nicht klagen, dass immer weniger Menschen dabei sein wollen, wir sollten uns vielmehr fragen, ob unsere Gemeinde ihre Aufgaben erfüllt. Dient unsere Gemeinde den Menschen – den Kranken und Leidenden, den Suchenden und Fragenden, den Trauernden und Enttäuschten? Gemeinde hat wir Kirche ihren Zweck nicht in sich selbst, sondern in einem Dienst, den wir den Menschen schulden. Die Feier der Sakramente, nicht zuletzt der Eucharistie, hat vor allem zum Ziel, uns für diesen Dienst zu bereiten und zu särken.