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St. Vitus Patrozinium

Veröffentlicht am 12.06.2014

Europa liegt wieder einmal im Fußballfieber. Stars werden geboren oder bestätigen ihre überragende Rolle, ja angeblich treten sogar „Fußballgötter“ auf. (Wer ist besser? Cristiano Ronaldo oder Podolski?) Natürlich ist gegen den Spaß an der Fußballweltmeisterschaft nichts einzuwenden, solange wir von Gewalt verschont bleiben. Fußball gehört nun einmal zu den besonderen Reizen, die uns die menschliche Kultur zu bieten hat.

Viele von Ihnen werden die aktuellen deutschen Nationalspieler wenigstens teilweise dem Namen nach kennen. (Kinder fragen). Müller, Götze, usw. Ältere Menschen wie ich erinnern sich bestimmt noch an große Namen des Fußballs aus der Vergangenheit: Beckenbauer, Matthäus, Overath, usw. Und noch ein wenig Ältere haben vielleicht noch frühere Stars in ihrer Erinnerung: Fritz Walter, Max Morlock, usw. Die Nationalspieler im Laufe der Jahrzehnte, ja eines Jahrhunderts sind manchen ganz gut geläufig. Eine andere Mannschaft ist heute weniger im Blick der meisten Menschen. Jesus hat sie aufgestellt, zwölf Männer, von denen schließlich einer ausgewechselt werden musste. Später sind noch andere zur „Mannschaft“ Jesu gestoßen, nicht nur Männer, auch Frauen, die Heiligen der Kirchengeschichte. Einer von den Stars früherer Jahrhunderte war auch der heilige Vitus.

Ihn nehmen wir heute sozusagen in die Einzelkritik. Er zeichnete sich zunächst schon als Jugendlicher durch seine technische Brillanz aus. Gleich serienweise umdribbelte er seine Gegenspieler, sei es in der Löwengrube oder unter der Folter der staatlichen Schergen, die lange Zeit vergeblich versuchten, ihn mit verschiedenen Methoden vom Leben zum Tod zu bringen. Sie sind in aller Deutlichkeit auf dem Deckengemälde unserer Kirche dargestellt.

Herauszuheben ist auch seine Beständigkeit. Da gab es keine Formschwankungen. Er blieb von den Reichtümern, die ihm sein Vater in Aussicht stellte, sollte er den Glauben an Christus aufgeben, ebenso unberührt, wie er sich durch dessen Drohungen nicht beeinflussen ließ. Es ist schon eindrucksvoll, wie ein junger Mensch so klar in seiner Haltung zum Leben ist, dass es bis heute ausstrahlt. Für ihn konnte ein erfülltes Leben nicht darin bestehen, dass er alle Wünsche an ein luxuriöses Dasein ausleben könnte, nicht einmal in einem langen Leben. Ohne den Glauben an Christus wäre ihm auch ein langes Leben kein wirkliches Leben gewesen. Es gibt ja im Gegensatz dazu eine Menge Menschen, die sich am Ende eines langen Lebens fragen: War das dann alles?

Junge Fußballerinnen und Fußballer eifern ihren großen Vorbildern nach. Sie tragen Trikots mit der Nummer und dem Namen ihrer Lieblinge. Sie hängen sich im Training und im Spiel rein, um die eigenen fußballerischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Ein solcher Eifer im Blick auf die verschiedenen Mannschaften Jesu im Lauf der Jahrhunderte würde uns heute vielleicht auch ganz gut anstehen. In der „Löwengrube“ derer, die ein Leben des Glaubens lächerlich finden, zu seiner Überzeugung stehen, auch in den praktischen Dingen wie dem sonntäglichen Gottesdienst. Sich von den Sorgen um die alltäglichen Geschäfte nicht nach unten ziehen lassen wie von einer schweren Metallkugel, sondern in der Gelassenheit des Glaubens durch das Leben gehen. Sich nicht weich kochen lassen von einer Gesellschaft, in der die materiellen Werte ein unverhältnismäßig großes Gewicht haben. In einer Gesellschaft, in der die Kälte zunimmt, der Liebe den Vorrang geben.

Wir brauchen dabei gar nicht darüber zu klagen, dass wir nicht so begabt seien, wie die großen Gestalten der Kirchengeschichte. Das stimmt nämlich gar nicht. Wir haben’s genauso drauf wie Vitus oder ein anderer Heiligen bzw. eine andere Heilige. Es kommt nur darauf an, was wir aus unseren Fähigkeiten machen, vor allem aus der Fähigkeit zu lieben.