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Taufe des Herrn

Veröffentlicht am 09.01.2015

Umsonst kriegen wir nichts auf den Märkten der Welt. Auch der „billige Jakob“ und andere Marktschreier versprechen nur Schnäppchen, extrem Billiges, aber umsonst ist es nicht. Mobilfunk-Anbieter verweisen zwar gern auf Gratis-Angebote, aber hinter dem Gratis-Handy stehen die Kosten für den Vertrag. Umsonst ist nicht einmal der Tod, heißt es, denn der kostet das Leben.

Da lässt es schon aufhorchen, wenn der Prophet geradezu wie ein Marktschreier daherkommt. Er verramscht nicht nur seine Ware, er verschleudert sie umsonst. Zum einen lieben viele Menschen Schnäppchen, sie werden allerdings auch misstrauisch, wenn gleich gar nichts verlangt wird. Was kann das schon wert sein? Kann das denn wahr sein, dass Jerusalem sich in ein Schlaraffenland verwandelt?

Um das materielle Sorglos-Rundum-Paket geht es ja auch nicht. Die Bilder von Wein und Milch, von fetten Delikatessen verweisen auf eine Fülle des Lebens die sich nicht im materiellen Wohlergehen erschöpft. Das macht der Zusammenhang von Hören auf Gott und Aufleben der Seele deutlich. Im vertrauten Umgang zwischen Gott und den Menschen geschieht etwas, das mit überströmender Fülle beschrieben werden muss. Es betrifft den ganzen Menschen. Die Seele wird satt an einer Liebe, die keine Grenzen kennt, Wohlergehen und Frieden breiten sich aus, wo Menschen im Hören auf Gott ihr Zusammenleben ordnen. Menschen machen sich nicht mehr gegenseitig das Leben schwer. Starke leben nicht mehr auf Kosten der Schwachen und Reiche beginnen mit den Armen zu teilen. Menschen bleiben nicht einsam und Kranke erfahren Gemeinschaft.

Der Ausgangspunkt für einen Weg, auf dem die Welt zu heilen beginnt, ist die verschwenderische Großzügigkeit Gottes. Er verschenkt seine Liebe, ohne auch nur das Geringste dafür zu verlangen, ohne auf Leistung und Verdienst zu schauen. Spuren seiner Großzügigkeit finden wir in den unbezahlbaren Kostbarkeiten des Lebens. Was wirklich wichtig ist, lässt sich nicht kaufen, nicht die Liebe und die Freundschaft, nicht die Treue und das Vertrauen, nicht die Schönheit der Natur und das Leben selbst. Leben wir nicht inmitten eines geschenkten Reichtums?

Vor diesem Hintergrund können wir die Frage des Propheten verstehen: Warum gebt ihr Geld aus für so viele Dinge, die euch doch nicht satt machen? Warum verschleudert ihr die wahren Reichtümer des Lebens für Besitz von Dingen, für Karriere und Erfolg? Müssten wir nicht die Akzente in unserem Leben anders setzen, mehr Gemeinschaft und Solidarität, aber weniger Gewinnstreben; mehr Begegnung von Mensch zu Mensch, aber weniger Luxus; mehr Gespräch mit Gott, aber weniger Internet; mehr Verweilen und Nachdenken, aber weniger Tempo? Was macht den Wert des Lebens letztlich aus? Schauen Sie doch zurück auf ihren Lebensweg! Wie viel ist Ihnen da geschenkt worden: die Überwindung von Krisen, Genesung, das Ja von Menschen, Vergebung und Versöhnung, Neubeginn!

Es ist gut, von Zeit zu Zeit darüber nachzudenken, wie teuer alles geworden ist, vielleicht auch, wie teuer wir Unnötiges bezahlen, um dann zu entdecken, wie wunderbar es ist, das Wichtigste im Leben einfach umsonst zu erhalten. Wir hecheln mit hängender Zunge dem Glück hinterher, indem wir Geld anhäufen und Dinge konsumieren, indem wir versuchen, andere auszustechen und in den Schatten zu stellen. Dabei stehen wir inmitten einer überströmenden Fülle. Wir sitzen an der Quelle. Wir bräuchten nur zu trinken. „Kommt alle zu mir und eure Seele wird aufleben!“, spricht unser Gott.